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Der Wintergarten und die richtige Bepflanzung 

Entscheidungskriterium Temperatur

Entscheidend dafür, welche Pflanzen ausgewählt werden, ist die Minimumtemperatur in den Winternächten. Gärtner unterscheiden zwischen winterharten Pflanzen, Kalthaus-, Lauwarmhaus- und Warmhauspflanzen. Während bei ersteren der Boden gefrieren kann, brauchen die letztgenannten eine Bodentemperatur von mindestens 18°C, die Grenze zwischen Kalthaus und Lauwarmhaus liegt etwa bei 12° C.

 

Die eigene Pflanzenwelt

Die „hohe Schule“ der Pflanzplanung ist die Zusammenstellung nach geobotanischen Gesichtspunkten: Für einen nach Süden ausgerichteten, tagsüber sehr heißen und nachts kühl gehaltenen Wintergarten empfehlen sich beispielsweise Pflanzen aus Südafrika oder Australien. Für einen zimmerwarmen, schattierten Wintergarten wiederum sind Pflanzen aus „Hinterindien“ (dem südostasiatisch-malaysischen Raum) ratsam. Können die Temperaturen auch einmal unter Null fallen oder ist der Wintergarten gänzlich unbeheizt, kommen mediterrane oder ostasiatische Arten in Frage.

 

Kalte Glasanbauten - Pflanzenparadiese für Energiebewusste

Der unbeheizte Wintergarten

In Verbindung mit Solararchitektur taucht oft die Frage nach gänzlich ungeheizten Wintergärten auf. Geht das überhaupt? Ja, es funktioniert. Nur muss einiges beachtet werden: Im Herbst können die Pflanzen langsam abhärten, im Winter muss die Frosthärte erhalten bleiben und im Frühjahr dürfen die Pflanzen nur langsam aus ihrem "Winterschlaf" wieder erwachen. Deshalb lautet die Devise: lüften, lüften, lüften. Schon bei Temperaturen um +5°C muss gelüftet werden, damit die Frosthärte nicht verloren geht. Ganz klar muss einem aber sein, dass der Wintergarten im Hochwinter kaum zu nutzen ist, jedenfalls nicht zu gemütlichen Kaffeestündchen. Wichtig, falls irgend machbar: offene Beete, um die empfindlichen Wurzeln der Pflanzen zu schützen. Das passende Grün für solche Wintergärten: Die Vegetation Ostasiens, beispielsweise Bambus und Kamelie, oder frostverträgliche Arten aus den Mittelmeergebieten - hier mögen Oliven und Feigen als Symbole angeführt sein -, aber auch Pflanzen aus den südlichen USA.


Der frostfreie Wintergarten

Ganz anders im gerade frostfreien Wintergarten: In kalten Winternächten wird er auf Temperaturen knapp über 0°C gehalten. An sonnigen Wintertagen jedoch darf man hier die Sonnenkraft nutzen und die Lüftung geschlossen halten. Für ein paar Stunden läßt sich auch die Heizung hochdrehen. Sonnige Plauderstündchen im Hochwinter sind dann kein Problem, Energiesparen bleibt trotzdem Thema. Hier kommen dann neben den oben genannten Ostasiaten und Mittelmeerpflanzen auch Arten aus Australien/Neuseeland ins Spiel, auch in den kühleren Gegenden Südafrikas oder Südamerikas wird man fündig.
Unter ökologischen Gesichtspunkten stellt der gerade frostfreie Wintergarten wohl die Optimierung von Kosten/Nutzen dar.

 

Der lauwarme Wintergarten - im Grenzbereich zwischen Kalt- und Warmhaus 

Optimal für den, der sich nicht festlegen will: Einerseits kühl genug, um den klassischen Kübelpflanzen ein Auskommen zu bieten, andererseits warm genug für einen Hauch von Tropenstimmung. Bedenkenlos können manche Nächte warm gehalten werden - beispielsweise warme Festnächte um den Jahreswechsel. Regulär wird jedoch die Temperatur nachts auf ca. 10-12°C abgesenkt.
Das Spektrum der verfügbaren Pflanzen weitet sich nun enorm. Neben den klassischen Immergrünen aus den Gebieten rund ums Mittelmeer, aus Südafrika, Südamerika oder den kühleren Gegenden Australiens bzw. Neuseelands kommen nun schon viele Blütenpflanzen der wärmeren Subtropen in Frage: Knallige Farborgien mit verschiedenfarbigen Bougainvillea-Hybriden, Obsternte von Echten Guaven oder Papayas, auch die nahezu ununterbrochen blühenden Hibiskus-Sorten können bei Temperaturen von mindestens 12°C schon gedeihen. Eine Fülle von Kletterpflanzen - blauer Uhrenwein, roter Blutwein, gelber Goldwein... - zaubern selbst bei kleiner Grundfläche eine vielfältige Pflanzenwelt.

 

Der warme Wintergarten - für tropische Pflanzenschätze 

Wer einmal in den feuchten Tropen weilte, kennt den Quantensprung in der Vegetation. Wer möchte nicht deren ´Highlights´ in unser vergleichsweise erbärmliches Klima hinüber retten, herrschen doch einem Bonmot zufolge in Mitteleuropa "8 Monate Winter und 4 Monate kein Sommer": Der schwere, tropisch üppige Duft der Plumeria (Frangipani) nach Kokos und Marzipan, die markanten Silhouetten der verschiedenen Palmen, nicht zu vergessen das Rascheln der Bananenblätter.
Wer es sich einfach machen will, nimmt gewöhnliche Zimmerpflanzen. Nahezu alle Arten gedeihen hier bestens. Doch ist das Spektrum der möglichen Pflanzen viel, viel größer. Gänzlich zu kurz im gängigen Zierpflanzenhandel kommen die lichthungrigen blühenden Tropen- und Subtropengehölze, beispielsweise der knallrot blühende Afrikanische Tulpenbaum.
Nicht jedes Kind der Tropen gedeiht jedoch auch bei uns, sei es, dass die Pflanzen zu groß werden oder sei es, dass sie nicht blühen. Im Laufe der beiden vergangenen Dekaden haben wir in unserer Gärtnerei FLORA MEDITERRANEA Vieles getestet und so Einiges wieder verworfen. "Ausgelistet" haben wir beispielsweise den jedem Tropenreisenden bekannten Flamboyant (Delonix regia).
Der laufend zu zahlende Preis für einen durchgehend warmen Wintergarten - die höheren Heizkosten - wird durch die inzwischen phantastisch niedrigen k-Werte der Wärmeschutzgläser akzeptabler. Viele Wintergartennutzer merken erst im Laufe der Jahre: Der in der Regel nicht billige Wintergarten wird so gerne angenommen, ein nebenan gelegenes Eß- oder Wohnzimmer verwaist hingegen. So manches Kalthaus wurde im Laufe der Nutzung stillschweigend zum warmen Wintergarten befördert. Deshalb unser Rat: Wer sich hinsichtlich der Minimumtemperaturen nicht sicher ist, sollte sich für den Kompromiß des lauwarmen Wintergartens entscheiden. Die für diesen Wintergartentyp passenden Pflanzen akzeptieren auch ständig warme Wohntemperaturen.

 

Becken- oder Kübel?

Die Frage „Beckenpflanzung oder Aufstellung von einzelnen Kübeln?“ ist meist recht spannend. In der Regel schlägt der Architekt einen gefliesten Boden vor, wird er doch selten mit dem Wunsch nach offenen Grundbeeten konfrontiert. Viele Bauherren wünschen sich jedoch den freien, offenen Eindruck eines "Gartens unter Glas". Ganz grundsätzlich ist das Pflanzenwachstum in Beeten besser, die tägliche Pflege einfacher, leichte Fehler in der Temperaturführung und in der Bewässerung werden gepuffert. Rangieren oder Austauschen von Pflanzen ist hingegen nur noch schwer möglich.
Entsprechend des stärkeren Wachstums müssen Pflanzen in Becken häufiger geschnitten werden als solche im Einzelgefäß. Gleichwohl ist der Arbeitsaufwand bei Becken geringer, weil das ständige Überprüfen von Einzeltöpfen auf Trockenheit entfällt. Bei eingewurzelten Pflanzen reicht bei entsprechender Beckentiefe ein einwöchiger Gießturnus im Sommer, im Winter muß meist nur alle 2-3 Wochen gewässert werden. Zerbsts entschieden sich nach ihren Besichtigungstouren letztendlich für Pflanzbeete und nahmen die dann noch etwas höhere Luftfeuchte billigend in Kauf.

 

Meisterhaft komponierte Bepflanzungen – einige Grundregeln

Bildbestimmend werden ein bis drei Leitpflanzen - kleine Bäume - sein, die gleichzeitig für Schatten über dem Sitzplatz sorgen. Kletterpflanzen können die innere Hauswand beranken. Ihre wild wuchernden Ranken sorgen für das richtige Dschungelgefühl. Sobald sie jedoch an die Glasscheiben stoßen, werden sie zurückgeschnitten, damit sie nicht in die Lüftungseinrichtungen wuchern. Die Pflanzen der Strauchschicht dürfen nicht zu hoch werden, sie sollen den Sitzenden einen Augenschmaus bieten, ohne unentwegt zurückgeschnitten werden zu müssen.

 

Noch Fragen? Diese werden gerne im Forum beantwortet. Zum Forum


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